Die Frage ist von haltbarer Bedeutung – funktioniert eigentlich der gute, alte, prinzipiell unkaputtbar erscheinende Blues, sobald er nicht in der Sprache seiner Erfinder gesungen wird? Klingt Blues nach Blues zum Beispiel in Brasilien, wo es eine kleine, verschworene Bluesgemeinde gibt, und mitreißende Diven wie Lu Vitaliano, deren quasi „nackter“ Blues so schmerzhaft wie lustvoll unter die Haut und ins Blut geht; und klingt Blues nach Blues in bayerischer Mundart? Georg Hampel, den die Münchner Szene (wie er sich selber) nur „Schorsch“ nennt, tritt den Beweis an. Mit Jedn Dog, der jüngsten CD, die Schorsch & de Bagasch vorlegen, erzählen der Sänger-Gitarrist und die Musiker der Band Bagasch einige der ganz alten Geschichten – aber sie spielen rund ums Isartor.
Der bluesübliche Macho-Männer-Ton macht sich breit, aber die Typen jammern sich bei Weißbier das ewige Elend mit den Frauen von der Seele. Sie sehen an irgendeiner Schwabinger Ecke das Mädchen ihrer Träume vorbei wehen und senden ihr verträumt-verzweifelte Liebeserklärungen hinterher. Und sie singen zwar nicht vom „House in New Orleans“, dafür aber – denn das liegt ihnen näher – von der schwer anarchistischen Geschichte, mit der ausgerechnet München ja mal gesegnet war, in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts.
So entsteht eine etwas andere Theorie über den Blues – er klingt besonders eindringlich und stark immer dann, wenn er von den eigenen Dingen erzählt: von unerfüllter und erfüllter Liebe, von der Erkenntnis, dass die meisten schöneren Dinge im Leben mies enden, vom Schlecht-drauf-sein und von der Hoffnung; von der Stadt, der Welt, der Sprache, in der der Blues jeweils zu Hause ist. In Brasilien eben oder in Bayern – genau für diese globalisierende Vision des Blues als Lebenshaltung mit musikalischem Ausdruck ist Jedn Dog und sind Schorsch & de Bagasch vorzügliche Beispiele. Und der Blues ist überall. Die persönliche Empfehlung CD – April 2010 Schorsch & de Bagasch – Jedn Dog BSC Music (www.bscmusic.com) Empfohlen von: Michael Laages, Berlin |